Mein alter Herr und ich saßen am Frühstückstisch, was schon einige Jahre her ist und waren eher darauf konzentriert, uns unser Frühstück in den Rachen zu stopfen, als miteinander zu kommunizieren. In dieser Zeit flammte das altbewährte Thema Waffenexporte und Rüstungsausgaben wieder auf und wenn sich heute die Nachrichten angeschaut werden dann ist diese Angelegenheit allgegenwärtig und eine Never-Ending-Story. Da ich selber für kurze Zeit dem Militärapparat diente und folglich auch an Schießübungen teilnahm, erschien bzw. erscheint mir die ganze Debatte um die Thematik “Waffen” etwas suspekt. Bevor ich weiter ins Detail gehe, möchte ich erstmal meinen Bezug zu Schusswaffen erörtern.

Ich bekam buchstäblich Macht in die Hand gedrückt. Je öfter ich die Schusswaffe in der Hand hielt und je öfter ich mit ihr feuerte, desto größer wurde der Respekt vor dieser Kraft. Ich machte mir gar keine Gedanken darüber, ob ich jemals mit dieser Waffe töten würde. Es war eher ein Sport. Ich wollte wissen, wie gut ich im Vergleich mit meinen Kameraden schießen kann und mehr war da auch nicht. Der Gebrauch von Schusswaffen wurde von mir nicht hinterfragt; warum auch. Ich war beim Bund. Das Militär ohne Waffen ist wie kopulieren ohne Höhepunkt. Eine spaßfreie Zone gepaart mit purer Langeweile. Um das Ganze etwas abzukürzen, Waffen waren und sind für mich kein Teufelszeug. Gleichzeitig würde ich per se nicht jedem eine Waffe in die Hand drücken. Da habe ich bis jetzt genug geistig minderbemittelte, charakterschwache, manisch-depressive, von Grund auf gewaltbereite Charaktere kennen lernen dürfen, die in eine Zwangsjacke gehören und für sich und ihre Umgebung eine Bedrohung darstellen. Wie sich hier bereits abzeichnen lässt, wird die Waffe im Folgenden nicht das Problem sein.

Kommen wir nun wieder an den Frühstückstisch mit meinem Erzeuger zurück. Ich sah meinem Vater dabei zu, wie er sorgfältig das Brot mit der Butter beschmierte und fragte ihn daraufhin, warum einige Menschen denn so einen regelrechten Hass auf Waffen haben. Stille, wie davor auch. Nur das Geräusch des Messers auf dem Brot war zu hören, bis er mir dann doch antwortete.
“Weißt du, ich kann mit diesem Messer hier das Brot schneiden und beschmieren.”
Diese Erkenntnis bereicherte natürlich meinen Horizont in einer Art und Weise, die ich nie für möglich gehalten hätte. Was für eine Aussage. In dem Moment meiner Unzufriedenheit hob er das Messer und richtete die Spitze auf mich und sagte im selben Zuge: “Und ich kann damit meine Familie verteidigen.”

Was würde ein Mensch tun, um das zu verteidigen, was er liebt, ganz davon abgesehen, was oder wer das nun ist? Welche Mittel würde er dafür verwenden? Ich denke, dass ich meine Leser beleidige, wenn ich sagen würde, dass eine Waffe der ausschlaggebende Grund dafür ist, dass Mord und Totschlag existiert. Genau so halte ich es für argumentativ schwach zu behaupten, dass Waffen- und Rüstungsexporte das allgemeine Gewaltpotential fördern, bzw. eine Verbot dessen, irgendeine signifikante Veränderung im Gewaltverhalten des Menschen bewirken würde. Für mich kommen andere, wesentlichere Faktoren in Betracht, die gewaltbereites Verhalten hervor bringen, bzw. fördern, um hier einige zu nennen: das Elternhaus, in seiner sozialen, wie auch kulturellen Struktur, das soziale Umfeld, im Sinne von Menschen, die einem Nahe stehen. Literatur, Kunst, Musik und die Religion, die Mentalität eines Volkes, bzw. eines Stammes, die sich über die Jahrtausende geformt und entwickelt hat und dieses auch weiterhin tut. Das Geflecht von Werten und Normen, die das gesellschaftliche Zusammenleben betreffen und so weiter und so weiter. Schaut man sich meine genannten Faktoren genauer an, wird auffallen, dass sie schwer von einander zu trenne und fest mit einander verbunden sind.

Diese ganze hirnlose Debatte über Waffen, das “moralisch korrekte” Einteilen der Nationen in, wer Waffen exportieren darf und wer nicht, wer Massenvernichtungswaffen besitzen darf und wer nicht, stellt für mich eine wichtige Frage an den Rand der Peripherie.
In welcher Situation siehst du rot und bist bereit bis zum Äußersten zu gehen und zu töten?
Das Thema “Töten” wird in einem anderen Artikel näher erläutert.
Diese Frage sollte sich, meiner Meinung nach, jeder Mensch stellen und diese nicht mit einem einfachen ja bzw. nein beantworten. Ich nehme meinen Lesern jetzt frecher Weise diese komplexen Gedankengänge vorweg ab und die letztendliche Schlussfolgerung dessen, würde höchstwahrscheinlich sein, dass jeder vernünftig denkende Mensch zum Ergebnis kommen sollte, dass die Waffe an sich nebensächlich bei der Problemlösung dieser Thematik ist. Mord und Totschlag gibt es doch nicht, seit dem es Waffen gibt. Die Aussage, dass Gewaltpotential sinkt, bzw. es eine gewaltfreiere Welt ohne Waffen geben wird, ist für mich so abstrus, dass ich im Folgenden gar nicht weiter auf sie eingehen werde. Moment, eine geistreiche Information möchte ich zu diesem Thema nicht unbeachtet lassen. Sie kommt von unseren Stammesbrüdern den Angelsachsen und hier möchte ich den Bürgermeister Londons auf Twitter zitieren. Auf der Plattform lautet ein Zitat wie folgt:
“No excuse. There is never a reason to carry a knife. Anyone who does will be caught and they will feel the full force of the law.”
“Im Februar und März gab es erstmals mehr Morde in der britischen als in der amerikanischen Metropole – viele davon begingen Minderjährige mit Messern. Die britische Polizei ist besorgt.”
So heißt es am 03.04.2018 in der Frankfurter Allgemeine und die Reaktion des Londoner Bürgermeister bereits oben erwähnt. Dann werde ich wohl beim nächsten Besuch meines Cousins in London mir das Brot mit dem Zeigefinger schmieren müssen. Ich könnte ja versehentlich wen abstechen. Wenn man denkt, es geht nicht mehr dümmer, kommt ein Bürgermeister daher und beweißt einem das Gegenteil. Wie jemand kluges mal gesagt hat,
“Zwei Dinge sind unendlich. Das Universum und die menschlich Dummheit. Beim Universum bin ich mir allerdings nicht sicher.”

Im Grunde genommen töten wir doch jeden Tag. Jedes hetzerische, niedermachende, zweifelnde, intrigante Wort bzw. Verhalten, ist eine Kugel, die jede Panzerung durchschlägt und das Ziel regelrecht durchbohrt. Aufbauende Worte sind Mangelware geworden und werden zu so einem hohen Kurs gehandelt, dass sie sich nur die wenigsten leisten können. Wir töten und bevor wir das tun, wird gezielt und das nicht mit der Hand, sondern mit dem Auge. Wir drücken ab, schießen und das nicht mit der Hand, sondern mit dem Verstand. Wir töten, nicht mit der Waffe, sondern mit unserem Herzen. Und obwohl der Eine oder Andere nur das Elend und Leid in dieser Welt sehen mag, gibt es doch diesen Menschen, der sich dem widersetzt. Der nicht Gleiches mit Gleichem vergelten will und Nächstenliebe, Vergebung und Vernunft walten lässt. Der verstanden hat, dass nicht die Waffe schützt, sondern der Schild. Der begriffen hat,……dass eben niemand kugelsicher ist…

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